Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm
Signatur auf der Rückseite
Nicolae Latunov – „Mädchen mit Tragekorb“
Diese stimmungsvolle Genreszene zeigt eine junge Frau, die mit einem hölzernen Tragekorb und daran hängenden Eimern einen Waldweg entlanggeht. Ihre ungezwungene, leicht tänzerische Haltung verleiht dieser alltäglichen Tätigkeit eine außergewöhnliche Leichtigkeit, Anmut und einen fast poetischen Charakter.
Die Protagonistin ist in traditioneller Tracht dargestellt: einem weißen, locker sitzenden Kleid mit weiten Ärmeln und einer dunklen, kunstvoll verzierten Schürze. Die helle Silhouette hebt sich deutlich vom satten Grün des Waldes ab und wird so zum Mittelpunkt der Komposition. Der leicht geneigte Kopf, die zarten Gesichtszüge und das im Wind wehende Haar unterstreichen ihre Jugend und natürliche Schönheit.
Der Künstler verbindet gekonnt figurative Präzision mit einer freieren Malweise der ihn umgebenden Natur. Das durch die Baumkronen dringende Licht erhellt den Weg, den Stoff des Kleides und Teile der Vegetation und schafft so die Atmosphäre eines heiteren Sommertages. Vielfältige Grün-, Blau- und warme Brauntöne verleihen der Landschaft Tiefe, während die sichtbaren Pinselstriche dem Bild Frische und malerische Energie verleihen.
Der Tragestab mit den Eimern ist nicht nur ein Element der ländlichen Landschaft. Er kann die Mühen des Alltags, das Gleichgewicht sowie die unter scheinbarer Zartheit verborgene Stärke symbolisieren. Trotz der Last bewegt sich die Frau elegant und gelassen, wodurch die Szene zu einer Hommage an das einfache Leben, die Nähe zur Natur und die Schönheit wird, die man in alltäglichen Momenten findet.
Es ist eine Komposition voller Licht, Harmonie und subtiler Nostalgie, die an die Tradition der europäischen Genremalerei anknüpft. Das Bild besticht durch weiblichen Charme, eine romantische Stimmung und eine dekorative Farbgebung, die Wärme und natürliche Frische in den Raum bringt.
Nicolae Latunov ist ein moldauischer Maler, Grafiker, Porträtist, Bildhauer und Schöpfer venezianischer Masken, der in Chișinău lebt und arbeitet. Er gehört zu den vielseitigen Künstlern, die sich mühelos zwischen klassischer Malerei, Zeichnung, Aquarell, Grafik, Bildhauerei, Pappmaché und angewandter Kunst bewegen.
Ausbildung und UNESCO-Stipendium
Latunov schloss sein Kunststudium an der moldauischen Akademie für Musik, Theater und Bildende Künste ab. Anschließend erhielt er ein Stipendium, das mit Unterstützung der Nationalen UNESCO-Kommission der Republik Moldau gewährt wurde und dank dessen er seine Ausbildung in Florenz fortsetzte. In Italien absolvierte er ein Masterstudium im Bereich Grafik und vertiefte seine Kenntnisse in Kunstgeschichte und Kunstkultur.
Sein Aufenthalt in Florenz und die anschließenden Kontakte zu Venedig spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung seines künstlerischen Handwerks. Dort lernte der Künstler die traditionellen Methoden der Herstellung venezianischer Masken kennen und beherrschte dieses Handwerk nach und nach auf professionellem Niveau. Seine handgefertigten Masken fanden unter anderem in Venedig sowie bei Abnehmern in anderen Ländern Absatz.
Malerei
Der wichtigste Teil des Schaffens von Nicolae Latunov bleibt jedoch die Malerei. Der Künstler schafft Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und grafische Arbeiten, wobei er sich vor allem folgenden Themen widmet:
Porträt-, Genres-, historische, symbolische, Landschafts- und Tiermotive.
Einen besonderen Platz in seinem Schaffen nimmt das Porträt ein. Latunov schuf eine umfangreiche Serie von Darstellungen moldauischer Einwohner sowie von Personen, deren Persönlichkeit oder Aussehen sein Interesse geweckt hatten. Bei der Arbeit an einem Porträt nutzt er verschiedene Techniken – von der Ölmalerei über Bleistiftzeichnungen bis hin zur Grafik – und passt die Ausführungsweise dem Charakter des Modells und der beabsichtigten Stimmung der Darstellung an.
Der Künstler beschränkt sich nicht auf eine einzige, streng definierte Strömung. Er beschreibt seine Methode als eine individuelle künstlerische Sprache, die er intuitiv durch die Verbindung von Erfahrungen in Malerei, Grafik und Bildhauerei entwickelt. Charakteristisch für seine Werke sind eine sorgfältige Zeichnung, eine klare Licht-Schatten-Modellierung, das Interesse am menschlichen Gesicht sowie die Verbundenheit mit der traditionellen Darstellungstechnik.
In Latunovs Landschaften zeigt sich sein Interesse an Licht, Atmosphäre und der Wandelbarkeit der Natur. Während des internationalen Pleinairs und der Ausstellung „Impresii de la Voroneț“ präsentierte der Künstler Gemälde, die von der Landschaft der Bukowina und dem Werk von Nicolae Grigorescu inspiriert waren, wobei er sich auf das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Stimmung konzentrierte.
Interdisziplinärer Künstler
Latunov beschäftigt sich auch mit dem Entwurf von Masken und Objekten für das Theater. Er war verantwortlich für die Anfertigung der Masken für das Dokumentartheaterstück „Podul de Piatră. Elegia celor de la km distanță“ des Alexie-Mateevici-Theaters.
Seine Masken entstehen in einem traditionellen, mehrstufigen Verfahren, unter anderem aus Pappmaché. Für den Künstler sind sie nicht nur dekorative Objekte – jede Maske soll einen eigenen Charakter und eine eigene Symbolik besitzen und eine bestimmte Idee vermitteln. Dieser Ansatz rückt seine Arbeit an die Schnittstelle von Malerei, Bildhauerei, Bühnenbild und Theater.
Aktuelle Tätigkeit
Nicolae Latunov ist in Chișinău künstlerisch und pädagogisch tätig. Er ist mit der Galerie Plai verbunden, deren Tätigkeitsfeld Kunst, Design, künstlerische Bildung sowie die Organisation kultureller Veranstaltungen umfasst.
Der Künstler bietet außerdem Kurse für Kinder und Jugendliche an. Er unterrichtet Malerei, Zeichnen, Aquarellmalerei, Modellieren sowie Maskenbau und betont dabei die Bedeutung von Geduld, Beobachtungsgabe und der Förderung der individuellen Vorstellungskraft der Schüler.
Die Bedeutung seines Schaffens
Das Schaffen von Nicolae Latunov entspringt dem Zusammentreffen mehrerer Traditionen: seiner akademischen Ausbildung in Moldawien, der italienischen Kunstkultur, die er in Florenz und Venedig kennengelernt hat, sowie seiner persönlichen Verbundenheit mit den Menschen und der Landschaft seines Heimatlandes.
Sein künstlerisches Schaffen beschränkt sich nicht auf eine einzige Disziplin. Es umfasst klassische Malerei, Porträtmalerei, Landschaftsmalerei, Grafik, Bildhauerei, räumliche Objekte und Theaterkunst. Dadurch bleibt Latunov ein Künstler mit einer unverwechselbaren, individuellen künstlerischen Persönlichkeit, der traditionelles handwerkliches Können mit einer ganz eigenen Ausdrucksweise verbindet, um Mensch, Natur und Geschichte darzustellen.



