Titel: Der entartete Mensch. Vorträge vor dem Brüsseler Anwaltskreis.
Autor: Dr. Jules Dallemagne (1858–1923), Dozent an der medizinischen Fakultät in Brüssel [belgischer Arzt und Kriminologe, Autor von Werken auf dem Gebiet der Kriminalanthropologie und der Degeneration]
Bearbeitung: Übersetzung aus dem Französischen von Dr. med. Józefa Joteyko
Verlag: Druckerei K. Kowalewski, Warschau
Erscheinungsjahr: 1896.
Format: 23 cm.
Umfang: 742, [II] S.
Einband: Halb-Leder aus der Entstehungszeit.
Im Jahr 1896 veröffentlichte der Warschauer Verlag K. Kowalewski eine polnische Übersetzung der Abhandlung eines belgischen Arztes und Kriminologen, die unter dem vollständigen Titel „Der entartete Mensch. Vorträge vor dem Brüsseler Anwaltskreis“ bekannt ist. Es handelte sich dabei nicht um eine für die akademische Welt verfasste Abhandlung, sondern um eine Vortragsreihe, die sich an die Anwaltschaft richtete – daher der Schwerpunkt auf den Erkenntnissen aus Medizin und Psychiatrie, die sich auf die gerichtliche Praxis übertragen lassen. Der Autor erörtert die biologischen und sozialen Ursachen der Kriminalität, die Theorie der erblichen Degeneration sowie Zustände, die die damalige Wissenschaft mit der strafrechtlichen Verantwortlichkeit in Verbindung brachte: Epilepsie, Hysterie, Neurasthenie und psychische Störungen. Hintergrund war die Kontroverse um die Konzepte von Cesare Lombroso, einem italienischen Psychiater, der als Vater der Kriminalanthropologie und Begründer der Theorie des „geborenen Verbrechers“ gilt, wonach kriminelle Merkmale, die am Körperbau erkennbar sind, vererbbar seien. Das Buch wurde als Beilage zur Warschauer Zeitschrift „Prawda“ vertrieben. In Bibliothekskatalogen sind drei polnische Ausgaben aus den Jahren 1896–1898 verzeichnet; am häufigsten sind Exemplare aus dem Jahr 1898 anzutreffen, während das vorliegende Exemplar aus einer früheren Ausgabe von 1896 stammt.
Der Autor, Jules Dallemagne (1858–1923), ein belgischer Arzt und Kriminologe, lehrte an der medizinischen Fakultät in Brüssel. Die Übersetzung ins Polnische stammt von Dr. med. Józefa Joteyko (1866–1928), einer bekannten Psychologin und Physiologin, die zu den ersten polnischen Frauen mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet gehörte.
Die Provenienz ist teilweise unvollständig: Auf der Titelseite wurde im unteren Rand an der Stelle eines ehemaligen Eigentumsstempels präzise ein quadratisches Stück Papier ausgeschnitten. Wer und wann diese Spur entfernt hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Ein Hinweis auf den ehemaligen Besitzer ist das vergoldete Monogramm „M.M.“, das auf dem Buchrücken neben den Titelangaben eingeprägt ist. Das Exemplar trägt keine Bibliotheksstempel aus der Nachkriegszeit.
Ein Fundstück für Sammler alter Rechtsmedizin und Psychiatrie, Forscher der Anfänge der Kriminologie sowie Liebhaber von Einbänden mit Besitzmonogrammen.
Der Einbandblock ist kompakt, schwer und mechanisch vollkommen stabil, die ursprüngliche Heftung ist fest, die Falze sind gleichmäßig, der Text ist vollständig. Das Papier weist eine gute Steifigkeit auf, ist hell, frei von Wasserflecken und Schimmel und hat eine natürliche Patina: mit vereinzelten Stockflecken, säurebedingten Verfärbungen und oberflächlichen Verschmutzungen an den Rändern durch frühere Seitenmarkierungen. Der Halbledereinband ist in repräsentativem Zustand erhalten – der Buchrücken ist steif, mit minimalen Abriebspuren an den Bindegurten, die Vergoldungen der Buchstaben und des Monogramms sind deutlich, die Einbanddeckel weisen sichtbare Verschmutzungen auf.
Katalog-ID: 11248-23-A-Z





