Titel: „Le Cid“ von P. Corneille. Eine Tragödie in fünf Akten.
Autor: Pierre Corneille (1606–1684) [französischer Dramatiker, einer der Begründer des französischen Klassizismus im Theater].
Übersetzung: Stanisław Wyspiański (1869–1907) [Dramatiker, Dichter und Maler, führender Vertreter der „Jungen Polen“-Bewegung].
Herausgeber: Krakau, im Auftrag des Übersetzers; gedruckt in der Druckerei von W. L. Anczyc; gesetzt in der Buchhandlung Gebethner.
Erscheinungsjahr: 1907.
Format: 22 cm.
Umfang: 86, [2] S.
Einband: Broschur.
Erste Ausgabe der Übersetzung von Pierre Corneilles „Cyd“ durch Stanisław Wyspiański, die der Dichter im letzten Jahr seines Lebens auf eigene Kosten herausgab. Der Druck wurde am 4. März 1907 in der renommierten Krakauer Druckerei Anczyc fertiggestellt, knapp neun Monate vor dem Tod des Übersetzers. Wyspiański kümmerte sich selbst um die grafische Gestaltung des Bandes. Auf dem Titelblatt platzierte er eine Vignette mit einer Hahnenfußblüte, signiert mit dem Monogramm SW, und verzierte die Anfänge der einzelnen Akte mit Vignetten mit pflanzlichen Motiven. Seine Übersetzung gilt als frei, fast schon als Paraphrase, und trägt deutlich die Handschrift und das Temperament des Autors von „Die Hochzeit“. Das Original, das 1637 in Paris uraufgeführt wurde, greift auf die Geschichte von Rodrigo Díaz de Vivar zurück, einem kastilischen Ritter aus dem 11. Jahrhundert, der sich durch seine Kämpfe gegen die Mauren den Beinamen „Cid“ verdiente, abgeleitet vom arabischen „sajjid“, was „Herr“ bedeutet. Das Stück war ein großer Erfolg, doch die Abweichungen vom klassizistischen Prinzip der drei Einheiten lösten die berühmte Kontroverse um den „Cid“ und einen Pamphletkrieg aus. Erst die Französische Akademie, die kurz zuvor von Kardinal Richelieu ins Leben gerufen worden war, brachte die Streitigkeit zur Entscheidung.
Stanisław Wyspiański wurde am 15. Januar 1869 in Krakau geboren. In den Jahren 1887–1890 studierte er an der Krakauer Kunstakademie und gleichzeitig an der Jagiellonen-Universität, ab 1891 bildete er sich in Paris weiter. Er vereinte in einer Person die Rollen des Dramatikers, Dichters, Malers, Grafikers und Designers. Als junger Künstler arbeitete er an der Polychromie der Marienkirche mit und entwarf später die Polychromie und die Glasmalereien der Franziskanerkirche in Krakau. Er ist unter anderem Autor von „Die Hochzeit“, „Die Befreiung“, „Novembernacht“ und „Akropolis“. Er reformierte die polnische Theaterbühne, indem er die Aufführung als ein Ganzes aus bildender Kunst und Literatur betrachtete. Er starb am 28. November 1907 in Krakau.
Provenienz: keine Eigentumsvermerke und Siegel.
Es handelt sich um die Erstausgabe einer Übersetzung aus dem letzten Lebensjahr Wyspiańskis, mit seinen eigenen Vignetten, in außergewöhnlich schönem Zustand. Ein Titel für Sammler von Erstausgaben Wyspiańskis und der „Jungen Polen“-Bewegung, für Forscher des Dramas und der Übersetzung sowie für Liebhaber der Buchkunst der Jahrhundertwende.
Das Exemplar ist makellos, der Einband fest und geschlossen, das Papier frei von Verschmutzungen und Vergilbung. Der Papierumschlag ist in perfektem Zustand erhalten, ohne Einrisse und Fehlstellen – ein selten anzutreffender Zustand für eine so empfindliche, biegsame Broschüre.
Katalog-ID: 295-22-A-X





