Hanna Rudzka Cybis (1897–1988)
Porträt einer Frau, 1930er Jahre
Bleistift auf Papier, 16,5 × 10,6 cm
signiert unten rechts: HRC
Herkunft: aus der Sammlung von Leszek Dutka
Hanna Rudzka-Cybis’ künstlerisches Talent wurde bereits in ihrer Kindheit von ihrer Mutter entdeckt. Im Alter von 14 Jahren begann die angehende Künstlerin, privaten Zeichenunterricht beim Maler Władysław Barwicki (einem Schüler von Wojciech Gerson) sowie bei Henryk Wierciński zu nehmen. Parallel dazu besuchte sie das philologische Gymnasium in Lublin.
Im akademischen Jahr 1917/1918 begann sie ihr Studium an der Schule für Bildende Künste in Warschau im Atelier von Miłosz Kotarbiński. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste sie ihr Studium nach drei Jahren abbrechen. Bald kam ihr ein Verwandter, Feliks Hilchen, der Hafenleiter in Danzig, zu Hilfe. Dank ihm kehrte Rudzka-Cybis 1921 an die Akademie der Bildenden Künste in Krakau zurück, um dort unter der Leitung von Ignacy Pieńkowski und Stanisław Dębicki ihr Kunststudium fortzusetzen.
Ab 1923 studierte die Künstlerin im Atelier von Józef Pankiewicz. Elf Schüler Pankiewicz’ beschlossen, ihre künstlerischen Suche in Paris fortzusetzen. Diese Gruppe gründete 1923 das Pariser Komitee, dem neben ihr folgende Künstler angehörten: Seweryn Boraczok, Jan Cybis, Józef Czapski, Józef Jarema, Artur Nacht-Samborski, Tadeusz Piotr Potworowski, Janina Przecławska-Strzałecka, Janusz Strzałecki, Marian Szczyrbuła, Dorota Seydenmann sowie Zygmunt Waliszewski. Nach der Abkürzung „KP“ wurden sie später als „Kapisten“ bezeichnet. Gemeinsam sammelten sie Geld für die Reise, indem sie künstlerische Veranstaltungen, Bälle oder Lotterien organisierten. Finanzielle Unterstützung erhielten sie auch von Stefan Laurysiewicz, einem Kunstsammler und Freund von Pankiewicz.
Am 1. September 1924 reisten die Mitglieder des Pariser Komitees nach Paris. Im selben Jahr, noch bevor sie Krakau verließen, heiratete die Künstlerin Jan Cybis, einen Studienkollegen und eines der „Kapisten“. Gemeinsam mieteten sie ein Atelier in der Impasse du Rouet. Die Kapisten studierten an der Pariser Außenstelle der Krakauer Akademie der Bildenden Künste unter der Leitung von Pankiewicz. Sie unternahmen auch Pleinair-Reisen in den Süden Frankreichs, unter anderem nach La Ciotat (1925) und Collioure (1926). In der Zwischenzeit verdienten sie ihren Lebensunterhalt auf verschiedene Weise – Rudzka-Cybis kopierte beispielsweise zu Verdienstzwecken Gemälde von Künstlern wie Peter Paul Rubens oder Paolo Veronese.
Im Jahr 1931 nahm die Künstlerin an der ersten Ausstellung der Kapisten in der Pariser Galerie Zak teil, anschließend in der Galerie Moos in Genf. Im selben Jahr – nach einem siebenjährigen Aufenthalt in Paris – entschloss sie sich (zusammen mit anderen Mitgliedern des Pariser Komitees) zur Rückkehr nach Polen.
Nach ihrer Rückkehr zeigte Rudzka-Cybis ihre Werke auf einer von Karol Stryjeński organisierten Ausstellung der Kapisten im Polnischen Künstlerclub. 1933 kehrte sie nach Paris zurück, wo sie noch zwei Jahre blieb. Die erste Einzelausstellung der Künstlerin fand eben in der französischen Hauptstadt in der Galerie Renaissance[1] statt. Zu dieser Zeit erlangte das Schaffen der Malerin immer größere Anerkennung. Im Jahr 1934 wurden ihre Gemälde, die auf der Ausstellung der Kapisten im Institut für Kunstpropaganda in Warschau gezeigt wurden, von den Staatlichen Kunstsammlungen angekauft.
In den Jahren 1937–1939 leitete die Künstlerin außerdem Sommerkurse für Lehrer am Gymnasium in Krzemieniec. Im Herbst 1937 unternahm sie eine Reise durch Italien; im selben Jahr reiste sie auch nach Paris, wo sie die Große Weltausstellung besuchte. 1938 nahm sie an der Ausstellung polnischer Kunst im Carnegie Institute in Pittsburgh teil.
Der Ausbruch des Krieges unterbrach die künstlerische Laufbahn von Rudzka-Cybis. Die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung verbrachte sie in Krakau, wo sie im Künstlercafé – gemeinsam mit Bronisława Orkanowa-Smreczyńska – die „Samopomoc Koleżeńska“ (Kollegiale Selbsthilfe) organisierte. Zu dieser Zeit trennte sich die Malerin von ihrem Ehemann. Außerdem half sie Dorota Seydenmann, sich zu verstecken.
Nach dem Krieg engagierte sie sich für den Wiederaufbau der Künstlergemeinschaft. Sie war Mitbegründerin des Verbandes Polnischer Bildender Künstler(ZPAP) und insbesondere der Krakauer Sektion des ZPAP, deren Vizepräsidentin (1945) und anschließend Präsidentin (1948–1950) sie wurde. Rudzka-Cybis war zudem die erste Frau in der Geschichte der Krakauer Akademie der Bildenden Künste, die eine Professur innehatte – 1945 wurde sie zur außerordentlichen Professorin und 1956 zur ordentlichen Professorin am Lehrstuhl für Malerei ernannt. In den folgenden Jahren war sie zunächst Prodekanin (1959–1960) und anschließend Dekanin (1960–1962) am Fachbereich Malerei.





