Pastell, Papier auf Karton, 30,7 × 47 cm
monogrammiert und datiert p. d.: Dr[e]zn[o] | SW 1890.
Dem Werk sind Gutachten von Frau Marta Romanowska und Frau Elżbieta Charazińska beigefügt
"Die Farbgebung, die perfekt eingefangene Perspektive und die diskrete Dynamik des Vordergrunds zeugen von einer Zeichnung nach der Natur, aber der rauchige Teil hinter der Brücke bleibt ein Rätsel. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Werks verfügte der 21-jährige Künstler über eine ausgereifte und perfekt beherrschte Technik. Eines seiner unveränderlichen Merkmale war das Zeichnen nach einem Modell. In diesem Fall war das Modell ein Stadtteil, in dem sich der Künstler eine Woche lang aufgehalten hatte. [...] Das fragliche Werk befindet sich unter den Studien von seinen Reisen im Jahr 1890 und ist die reifste Landschaftsstudie jenes Jahres, voll von ausgezeichneter zeichnerischer Arbeit. [...] In Paris kehrte der Künstler zu ausgedehnten Ansichten von Wasser zurück. Diese hervorragende, mit Kohle gezeichnete Ansicht der Pont-Neuf ähnelt in ihrer Komposition der früheren 'Elbbrücke'. Man könnte sagen, dass unsere Ansicht von Dresden den Künstler auf dieses Pariser Werk vorbereitet hat. Die bereits zahlreich vorhandenen Pastelle aus dem Jahr 1893 wiederholen dieselbe ursprüngliche Tonalität eines sehr hellen Frühlingsgrüns, das im späteren Werk selten verwendet wird. Auch die Methode, das Pastell mit feinen Linien durch Abreibungen aufzutragen, ist analog. Das Thema des Wassers in einer weiten melancholischen Landschaft taucht auch in der Pariser Periode auf. Der Künstler besaß die Fähigkeit, architektonische Massen perfekt zu notieren, sowohl in der Detailzeichnung als auch in der flüchtigen Skizze. Es ist nicht verwunderlich, dass er die Masse der historischen Gebäude von der Augustusbrücke aus gesehen notiert hat. Die Aufzeichnung des Ameisenauflaufs an der Uferpromenade erinnert an die Skizzen des Künstlers vom Krakauer Stadtteil Kazimierz, die er 1882 in seinem Skizzenbuch festgehalten hat." (Auszug aus dem Gutachten von Frau Marta Romanowska) Aus den Briefen des Autors an Tadeusz Stryjeński, August 1890: "[...] sehr umfangreich in Dresden, Teil der Stadt an der Elbe sehr schön - ähnelt Paris in Größe und Anlage. [...] Der Zwinger mit seinen Gebäuden gleicht einer prächtigen Theaterdekoration. [Gestern habe ich Hamlet besucht, das sehr gut gespielt wurde. Das Opernhaus (Gebäude) ist innen prächtig, der Vorhang ist nicht schlecht. Man kann sich in der Stadt überhaupt nicht langweilen, so viele schöne Kinderköpfe an den Ufern des Flusses, man kann mit Vergnügen zeichnen. Die Galerie ist prächtig mit ihren Gemälden [...] Die Rubens gefallen mir hier besser als anderswo (München, Paris), weil sie irgendwie schlanker sind [...] Und das Gebäude des Museums selbst ist prächtig - es erinnert an den Louvre, und die wenigen Skulpturen im Hauptpavillon, in dem sich die Eingangshalle befindet, sind sehr schön, so viel Ausdruck in ihren Gesichtern. Perseus mit dem Kopf der Gorgone - Apollo mit der Hydra, Judiths Kopf und ihre ganze Haltung".
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