Gustave Moreau,
1826 Paris – 1898 ebenda
LEDA MIT DEM SCHWAN, UM 1875
Öl auf Holz.
25,5 x 17 cm.
Links unten signiert „Gustave Moreau“, Verso mit Siegellackstempel von Paul Tesse.
In plastisch verziertem Rahmen.
Das vorliegende Werk, um 1875 entstanden, stellt den Moment in der griechischen Mythologie dar, als Leda, die Gemahlin des Königs von Sparta, von Zeus verführt wird. Zeus, der sich in Gestalt eines Schwans zeigt, ist in ihre Arme geflüchtet, um Schutz vor einem angreifenden Adler zu suchen. Der Mythos inspirierte Michelangelo (1475-1564), Leonardo da Vinci (1452-1519) und viele weitere Künstler. Wie schon bei Salome oder Helena von Troja nahm Moreau eine bekannte Protagonistin und machte das Thema zu seinem eigenen, indem er seinen Kompositionen eine erotische Erzählung und eine charakteristische traumhafte, sinnliche Ästhetik verlieh. Moreau malte den Mythos von Leda und dem Schwan erstmals 1846 in einem unvollendeten, großen Ölgemälde auf Leinwand mit den Maßen 230 x 205 cm, das sich im Musée Gustave Moreau in Paris befindet. Die Inspiration für diese Szene ist eher klassisch und unterscheidet sich deutlich von seinem späteren Stil, da sie auf ungewöhnliche Weise den Leda-Mythos mit christlicher Bildsprache verbindet, indem er den Heiligenschein hinter dem Kopf des Vogels platziert und Putten eine Krone herbeitragen lässt.
Neben dem vorliegenden Werk verzeichnet Mathieu zwei weitere unterschiedliche Ansätze zu diesem Thema aus derselben Zeit: eine Aquarellarbeit en Camaieu mit den Maßen 21 x 12 cm in der Sammlung des Musée Gustave Moreau sowie ein Ölgemälde von 32 x 23 cm in einer privaten Sammlung. Eine etwas spätere Version in Aquarell, um 1882 gemalt und 34,2 x 22,2 cm groß, wurde am 4. November 2011 bei Sotheby's in New York versteigert. Sowohl dieses Werk als auch das Vorliegende zeichnen sich durch ihre besonders kraftvolle Komposition aus, in der die Symmetrie zwischen Leda und dem Schwan in einer V-Form nahe der Bildmitte zusammenläuft. Dieser Effekt wird im vorliegenden Werk noch verstärkt durch Moreaus enge Beschneidung der Komposition um die Figuren. Zudem setzt der Künstler die Diagonale der Schwanenflügel fort, indem er einen Putto hinter Leda hinzufügt, der geduckt sitzt und mit seinem Blick nach oben und nach rechts schaut. Die allgemeine Sinnlichkeit der Szene könnte für den Künstler eine persönliche Bedeutung gehabt haben. Neben den Erzählungen von Andromeda, Pasiphaë und Sappho gehörte Leda und der Schwan zu den mythologischen Themen, die Moreau als Geschenke für Adélaide Alexandrine Dureux (1835-1890) schuf. Die Beziehung zwischen Moreau und Dureux, die über dreißig Jahre andauerte, ist zwar etwas geheimnisumwoben, doch war sie von einer tiefen Freundschaft und vermutlich auch von einer privaten Romanze geprägt.
Provenienz:
Paul Tesse (dessen Siegel PT auf der Rückseite).
Dessen Nachlassauktion: Hôtel Drouot, Paris, 11. März 1876, lot 40.
John Saulnier, Bordeaux.
Dessen Nachlassauktion: Hôtel Drouot, Paris, 5. Juli 1886, Lot 67.
Charles Hayem (1889).
Louis Mante (um 1906).
Dessen Nachlassauktion: Galerie Charpentier, Paris, 28. November 1956, Lot 9.
Christie's, Paris, 15. April 2013, Lot 82.
Agnews, London.
Literatur:
Paul Leprieur, Gustave Moreau, et son oeuvre, 1889, S. 446.
Paul Flat, Gustave Moreau, in: La Revue de l'Art et les Artistes, Paris 1926, S. 242 mit Abb.
Pierre-Louis Mathieu, Gustave Moreau, sa vie, son oeuvre, catalogue raisonnée de l'oeuvre achevé, Paris 1976, S. 313, Nr. 145, mit Abb.
Pierre-Louis Mathieu, Gustave Moreau, Monographie et nouveau catalogue de l'ouvre achevé, Paris 1998, Nr. 166, mit Abb. (als Léda, Le Cygne et l'Amour mit unbekanntem Ort).
Ausstellungen:
Galerie Georges Petit, Paris, Gustave Moreau, 01. Januar - 31. Dezember 1906, (ausgeliehen durch Louis Mante). (1410372) (13) (†)
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